11.03.2014: Kurz, kess und Kult - Sonja DeLennart und die Caprihose

Pünktlich zum Frühlingsanfang 2014 hält nicht nur auf den Straßen wieder luftigere Sommermode Einzug. Auch im Levi Strauss Museum Buttenheim werden im Rahmen einer neuen Sonderausstellung die Hosen ein Stück kürzer gemacht, denn ab dem 11. März dreht sich dort alles um die Caprihose. Die Ausstellung lädt ihre Besucher ein auf eine Reise zurück zu Anfängen der modischen Karriere dieses Kleidungsstückes – vom Atelier der jungen Modeschöpferin Sonja DeLennart im München der Nachkriegszeit geht es mit den ersten Touristenwellen über den Brenner an italienische Strände der 1950er Jahre und weiter bis nach Hollywood. Unterwegs können die Museumsgäste nicht nur einen Blick in die Modehäuser der Nachkriegszeit werfen, sondern treffen auch auf zahlreiche prominente Capri-Trägerinnen.

Die Erfolgsgeschichte der Caprihose begann in einer Zeit, in der hosentragende Frauen häufig noch misstrauisch beäugt wurden. „Hosenweiber" widersprachen dem gängigen mütterlich-weiblichen Frauenideal der Nachkriegszeit. Als die junge Modeschöpferin Sonja DeLennart kurz nach Kriegsende in München ihre „Capri"-Kollektion und wenig später auch eine „Caprihose" schneiderte, trug sie selbst das „gewagte" Stück zunächst vorsichtshalber nur während eines Capri-Urlaubs am Strand. Es dauerte nicht lange, bis die innovativen Kollektionen Sonja DeLennarts aus ihrem Münchner Salon „Maison Haase" zum Stadtgespräch wurden. Bald fand auch die Caprihose an prominenten Beinen den Weg auf Kinoleinwände und in Modezeitschriften – und von dort aus in immer mehr Kleiderschränke.

Eng geschnitten und an der Wade geschlitzt avancierte das ¾-lange Kleidungsstück zur koketten Ferien- und Freizeitbekleidung für die moderne – Ende der 1940er Jahre auch immer häufiger berufstätige – Frau. Am Namen des sommerlichen Beinkleides kondensierten sich Sehnsüchte nach Sonne, Süden und Sorglosigkeit. Wie viele andere „Capri"-Produkte wurde auch die Caprihose zum Inbegriff des damals immer näher rückenden Traumreiseziels Italien. Ab den 1960er Jahren setzte sich die Caprihose schließlich als weltweites modisches Phänomen durch. Seitdem taucht sie immer wieder in den Kollektionen von Modeschöpfern auf und erinnert weiterhin an Sehnsüchte nach Strandurlaub und „dolce far niente".

Mit dem Blick auf die „Caprihose" beleuchtet die neue Sonderausstellung des Levi Strauss Museums die Nachkriegszeit und die Wirtschaftswunderjahre in Deutschland aus einer neuen Perspektive. Zahlreiche Stücke aus den ersten Kollektionen Sonja DeLennarts zeugen von den modischen Idealen, Frauenbildern und Sehnsüchten der Zeit und eröffnet den Besuchern so Einblicke in das Lebensgefühl einer ganzen Generation.